
Freitag 10–13:30
Finkenau 153 (Altbau)

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Nichts ist flüchtiger als die menschlichen Gefühle. Nahezu zwei Jahre hatte ich gearbeitet, nur um etwas zu schaffen, dem ich Leben einflößen könnte. Dazu hatte ich mich also meiner Ruhe und Gesundheit beraubt! Mit der ganzen Glut meines Herzens hatte ich mich nach der Vollendung gesehnt, und nun war die Schönheit des Traumes verblichen, unsäglicher Schrecken und Ekel erfüllten mich. [Frankenstein oder Der moderne Prometheus, Mary Shelley, 1818]
Im Laborkurs I’m Friends with the Monster beschäftigen wir uns mit experimenteller Typografie und Buchgestaltung. Ähnlich wie Victor Frankenstein in Mary Shelleys Roman wollen wir das gedruckte Buch – erstes mechanisch hergestelltes Massenprodukt [The Gutenberg Galaxy, Marshall McLuhan, 1962] – mit typografischen Mitteln zum (künstlichen) Leben erwecken. Obwohl wir uns in diesem Semester ausschließlich mit Gedrucktem beschäftigen und dabei eine streng systematische Gestaltung verfolgen, wollen wir die Titel, Textblöcke und Fußnoten zum Leben und Tanzen bringen. Digitale Gestaltungstools führen uns oft zu kalten, statischen und langweiligen Entwürfen, die anschließend mit spektakulären, aber kurzlebigen Effekten verzweifelt zu retten versucht werden. Wie der Schweizer Doktor suchen wir nach Referenzen und Versatzstücken, in denen wir (typografisches) Leben vermuten, kombinieren diese mit selbst hergestellten Teilen und setzen alles im Labor zu etwas Neuem zusammen.
Dabei lassen auch wir nichts unversucht und nutzen neben den üblichen Werkzeugen wie Adobe InDesign auch code-basierte Workflows mit Hilfe von HTML/CSS (+paged.js). Und holen uns gegebenenfalls Hilfe bei anderen künstlichen Lebewesen wie Claude, GPT usw. Mit den üblichen Themen, wie der Auswahl von Schrift und Papier werden wir uns auch beschäftigen.
Ziel des Kurses ist die Herstellung einer Publikation in Kleinstauflage, die im CoLAB gedruckt und mittels Kaltleim selbst gebunden wird. Die Ergebnisse dürfen überraschend bis erschütternd sein. Anders als der unglückliche Dr. Frankenstein werden wir unserer Schöpfung (egal wie erschreckend) mit Liebe und Neugier begegnen.
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